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Tauglichkeitsgrad: (G-)Klasse.

Die G-Klasse liefert robuste Offroad-Performance für die Schweizer Armee.

In 3.200-facher Ausführung ist die G-Klasse seit 2016 im Einsatz bei der Schweizer Armee. Unter anderem als Lieferwagen überzeugt das Modell G 300 CDI vor allem mit seiner Robustheit und Geländegängigkeit. Mithilfe moderner Assistenzsysteme, Differenzialsperren, Starrachsen und des Untersetzungsgetriebes schafft es der G auch durch schwieriges Terrain. Zwei echte Offroad-Experten stellen das im G-Class Experience Center in Graz (Österreich) unter Beweis. Marc Sussner, Chefinstruktor der G-Klasse, und Roland Sollberger vom Kompetenzzentrum Fahrausbildung der Schweizer Armee unterziehen den G 300 einer strengen Musterung.

Echtes Rollenvorbild.

„Am Ende unserer Fahrausbildung wird sie deutlich dreckiger sein, artgerechter.“ Marc Sussner weiß, in welchem Terrain sich die G-Klasse zu Hause fühlt. Noch präsentiert sie sich sauber, im matten Militärgrün. Im Laufe des Fahrzeugtests wird sich das ändern. Der Chefinstruktor der G-Klasse steht mit Adjutant Unteroffizier Roland Sollberger vom Kompetenzzentrum Fahrausbildung der Schweizer Armee auf dem Gelände des G-Class Experience Centers. Zusammen wollen sie demonstrieren, was die G-Klasse im Einsatz draufhat.

Auf dem Rollenmodul können verschiedene Untergründe simuliert werden, zum Beispiel Schnee und Eis. Damit das Fahrzeug trotz durchdrehender Reifen seine Traktion behält, sind Differenzialsperren unerlässlich. Marc Sussner zeigt, wie sie funktionieren. Der G 300 verfügt genau wie die neue G-Klasse für Rettungs- und Sondereinsätze über drei Differenzialsperren – die Längssperre, auch Mittelsperre genannt, sowie eine Sperre für jede Achse. Wenn ein oder mehrere Räder durchdrehen, also keine Traktion mehr besitzen, kann die Kraft so gleichmäßig auf die übrigen Räder verteilt werden, die noch Traktion haben. Im entsprechenden Test verhält sich die G-Klasse absolut vorbildlich.

Die G-Klasse für Rettungs- und Sondereinsätze.

Die Differenzialsperren sollten allerdings niemals auf asphaltierten Straßen eingeschaltet werden. Fährt man mit aktivierter Differenzialsperre in eine Kurve, so müssen die inneren Räder mit demselben Drehmoment eine kürzere Strecke zurücklegen. Folge: Die Reifen reiben stark ab. Im schlimmsten Fall kann sogar das Differenzial beschädigt werden.

ESP und ABS regeln.

Im alltäglichen Straßenverkehr ist die G-Klasse natürlich mit einem Elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) und einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet, den „kleinen Helferlein“ für den Asphalt. Im G-Class Experience Center kann sie ihre Fahrsicherheit im Slalom und auf nasser Fahrbahn unter Beweis stellen.

Bei moderater Geschwindigkeit ist der Slalom kein Problem, nicht einmal die Regelsysteme müssen eingreifen. Nur bei schnellerer Fahrt lenkt das ESP in den Kurven ein und bremst die kurvenäußeren Räder kurz stark ab. Auch die Vollbremsung meistert der G mühelos. „Einwandfrei“, meint Roland Sollberger. In diesem Fall unterstützt das ABS, das einzelne Räder bei starker Bremswirkung am Blockieren hindert.

Beim Spurwechsel auf nasser Fahrbahn wird es etwas kniffliger. Schon kleine Steigerungen der Geschwindigkeit können große Auswirkungen auf das Fahrverhalten haben. Roland Sollberger reizt die G-Klasse aus und fährt mit bis zu 70 km/h auf das Hindernis zu. Neben den Regelsystemen ist dabei viel Erfahrung gefragt.

Bei Regeleingriffen sollte man generell vorsichtig fahren, um das Fahrzeug nicht an seine Grenzen zu bringen. Wichtig: Bei Fahrsicherheitstests werden kontrollierte Gefahrensituationen gezielt erprobt. Im Alltag wird man dagegen von solchen Situationen überrascht und es kann zu Kurzschlussreaktionen kommen. Auch der erfahrene Roland Sollberger mahnt: „Solche Dinge nie im Straßenverkehr probieren.“

G will rock you.

Jetzt geht es ans Eingemachte: Marc Sussner und Roland Sollberger erklimmen mit dem G 300 den berüchtigten G Rock, das Herzstück des G-Class Experience Centers. Dort kann der Geländewagen zeigen, wie gut er mit Steigungen umgehen kann.

Zunächst geht es mit 30 % bzw. mit 60 % Steigung auf der Schotterpiste hinauf, durch Bodenwellen und ausgewaschenen Untergrund. Die G-Klasse fährt sich fest – jetzt können zwei der drei Differenzialsperren im Einsatz getestet werden. Färbt die stoische Ruhe des G auf Roland Sollberger ab, oder umgekehrt?! So oder so, sanft löst sich das Fahrzeug aus der Versenkung.

Im Gelände gilt: So viel Gas wie nötig, so wenig Gas wie möglich.

Marc Sussner, Chefinstruktor Mercedes-Benz G-Klasse

Anschließend geht es bergab: Die 80 % Gefälle meistert der G 300 mithilfe des Untersetzungsgetriebes, das die Bremskraft der Motorbremse verdoppelt und die Lenkkräfte des Fahrzeugs besser überträgt. Elegant rollt er nach unten. Die altbewährte Motorbremse stößt allerdings an ihre Grenzen, wenn es um unebene Abfahrten geht. Auf dem Felsengefälle muss Roland Sollberger die Bremse manuell betätigen, mit viel Zehenspitzengefühl. Auch das meistert das eingeschworene Team mit Bravour. Für das Offroad-Fahren gilt eine goldene Regel, zu deren Einhalt Marc Sussner rät: „So viel Gas wie nötig, so wenig Gas wie möglich.“

Ganz schön schräg.

Beim Einsatz im Gelände können Schrägfahrten eine Herausforderung darstellen. Zum Glück ist die G-Klasse perfekt darauf vorbereitet. „Den wahren Kipppunkt des Fahrzeugs kann ich euch selbst als Chefinstruktor gar nicht sagen,“ gibt Marc Sussner zu. Denn der hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Geschwindigkeit, der Dachlast und dem Reifendruck.

In der Regel schieben aber Bauchgefühl und gesunder Menschenverstand der allzu kippeligen Fahrt rechtzeitig einen Riegel vor. Wer sich dabei lieber auf sein Fahrzeug verlässt, sollte den Reifendruck im Auge behalten – die tieferliegende Seite ist nämlich einer hohen Belastung ausgesetzt, und die Räder haben nur am äußeren Rand Bodenkontakt.

Beim On-Road-Fahren kommt es außerhalb der Teststrecke für gewöhnlich nicht zu Schrägfahrten. Anders sieht es offroad aus. Dort fühlt sich die G-Klasse erst so richtig wohl. Im Wald des G-Class Experience Centers geht es in die Vollen. Damit die G-Klasse nicht vom Weg abkommt, ist es wichtig, in der Fahrspur zu bleiben. Dort läuft sie wie auf Schienen, jedoch ist das Lenkverhalten deutlich eingeschränkt. Sobald man sich in der Schräglage befindet, sollte man nicht nach oben lenken – dort werden kaum Lenkkräfte übertragen. Stattdessen ist es sinnvoll, immer in die „Falllinie“, also nach unten zu steuern und ein langsames Tempo beizubehalten.

Die Arme verschränken? Nicht mit der G-Klasse.

Verschränkungen sind eine besondere Herausforderung für jeden Geländewagen. Für die G-Klasse jedoch kein Grund zur Verunsicherung. Denn sie ist in der Lage, auch auf sehr unebenen Untergründen alle Räder auf dem Boden zu behalten. Möglich machen das Starrachsen, die einen längeren Federweg haben. Aber auch Starrachsen haben im Gelände trotz ihres Vorteils gegenüber Rädern mit Einzelradaufhängung ihre Grenzen. Diese Grenzen loten Marc Sussner und Roland Sollberger aus.

Der Adjutant Unteroffizier ist bereit. „Das schaffen wir gemeinsam! Du, der G und ich“, versichert Marc Sussner. Ein starkes Team. Unter Anweisung des Chefinstruktors fährt Roland Sollberger behutsam in die Verschränkung hinein, bis zum Kipppunkt des Autos. So lange, bis ein Rad in der Luft hängt.
„An diesem Punkt kann man ein Fahrzeug auch einfach von Hand umschmeißen“, wie Marc Sussner sogleich demonstriert.

Die G-Klasse schafft das aber auch auf eigene Faust. Fängt das Fahrzeug in der Verschränkung an zu kippeln, ist es wichtig, es ausfedern zu lassen, um Energie rauszunehmen. „Das Sicherste ist einfach ein stehendes Fahrzeug“, so Marc Sussner. Dann ist der G 300 nicht mehr in die Schranken zu weisen.

Schlammbad gefällig?

Die G-Klasse schafft es aus jedem Schlam(m)assel wieder heraus. Mit einer Wattiefe von 600 mm ist sie für die Fahrt durchs Wasser voll tauglich. Dabei gilt es allerdings, die Bugwelle zu berücksichtigen, die zur tatsächlichen Wassertiefe hinzugerechnet werden muss. Das heißt: langsam und gleichmäßig fahren. Außerdem benötigt man vorsorglich zwei Differenzialsperren.

Um nicht ins Schwimmen zu kommen, sollte man das Gewässer grundsätzlich vorher durchlaufen, um die Tiefe abzuschätzen. Bei der Durchfahrt müssen außerdem die Fenster einen Spalt breit heruntergelassen werden, damit man im Notfall die Türen öffnen kann. Im Wald dagegen sollte man die Fenster immer geschlossen halten, falls Äste in die Fahrbahn ragen oder das Fahrzeug gar kippt.

Bei einer Schlammdurchfahrt verhält sich das Fahrzeug sehr ähnlich wie im Wasser. Das heißt: Zwei Differenzialsperren auswählen und den zweiten oder dritten Gang vorwählen, um nicht im Schlamm stecken zu bleiben. Der Ansaugschnorchel ist übrigens nicht dazu gedacht, auf Tauchgang zu gehen. Er sorgt für eine saubere Luftzufuhr zum Motor bei der Fahrt durch Sand oder andere Untergründe, auf denen Partikel aufgewirbelt werden.

Generalist im Gelände.

Mit ihren zahlreichen Assistenzsystemen und der umfangreichen Offroad-Ausrüstung ist die G-Klasse ein robustes Fahrzeug für vielfältige Rettungs- und Sondereinsätze. Egal, welchen Elementen sie ausgesetzt ist. Ob im Wald, im Fluss, oder in der Wüste: Der G ist ein Einsatzfahrzeug, auf das man sich verlassen kann. Marc Sussner und Roland Sollberger beenden zufrieden ihren Tag im G-Class Experience Center und attestieren dem Geländewagen den Tauglichkeitsgrad: (G-)Klasse.